Khan-Palast in Scheki
Die Sonne strahlt wie sanfter Wein, Mit Vasen, Tüchern, Hab und Gut
Erwärmt das Tal mit Küssen, An diesem Born sie machten Halt...
Zart am holden, grünen Bergeshain! In seinem Palast, kunstvoll, fein
Mit Früchten, Pilzen, Nüssen Der Khan empfing mit süßem Wein
* * * * * *
Er lockt den Wand’rer lieblich Die Gäste, hoch umringt
An, der streift im wilden Walde. Von Holzarbeit und schmuckem Glas,
Sein Herz stimmt an, gar fröhlich Von Malerei und Miniatur
Singt ein Liedlein er nun balde. Am Boden sitzend es verzehrten
* * * * * *
Schau an, dort thronet königlich Die Kaufleut’, die Gelehrten
Des Khanes prächtig’ Residenz: Speisen, reich, erlesen hier.
Früher frisch im jungen Lenz, Spät abends hold vom hohen Paß
Im heißen Sommer süß, erquicklich Die Nachtigall ganz zart erklang,
* * * * * *
Er liebte hier zu ruhen... Umgarnt’ die harten Herzen
Zwei Bäume, alt und ehrwürdig Der Führer. Händler, Generäle.
Mit Ästen, urig schenkten Schatten, Ein Lachen erst, ein schuldlos Scherzen
Und Berge wie die Adler Durchdrang die prächt’gen Säle;
* * * * * *
Herrschten stolz am Horizont. Dann schweigsam still zur Sternezeit
Unendlich weit, in matten Fernen Sie lauschten dort dem Spiele, hold
Er nahen sah die Feinde klar. Des Vogels, bunt der Weisheit,
Mongolen, Römer, Russen hier Des Spenders neuen Lebens, gold.
* * * * * *
Mit Säbeln, Degen stürmen rasseln, Sie schwebten himmlisch, ganz verzückt,
Und Kugeln, Pfeile schießen, prasseln. Wie Blumen, blühend hübsch im Maie
Aus aller Welt mit vollen Urnen, Wie Sterne, funkelnd für die Weihe,
Mit Chinas zartem Seidenband Zum Paradiese, hoch entrückt!
* * * * * *
Hier trafen ein die Händler; Der Gäste Seelen herrlich ruhten...
Mit Eseln, müd, bedeckt mit Matten Im Segen Allahs, Seiner Heiligkeit!
Mit Rossen, forsch und ritterlich Im Herzen dann die Feuer lohten,
Mit Dromedaren, schweren Truhen Die Feuer, rot der Ewigkeit!
Wolfgang Look. Baku den 22. 10. 1999

|